Corona Australis: Mythos und Astronomie

Kunst, Kultur | Holger Fischer
Corona Australis: Mythos und Astronomie

Am Nachthimmel der Antike: Das Sternbild Corona Australis und der Mythos des Krotos

Wer in klaren Sommernächten den Blick weit nach Süden richtet, knapp unter das markante und leicht zu findende Sternbild des Schützen (Sagittarius), stößt auf ein kleines, aber bemerkenswertes Juwel des Südhimmels: Corona Australis, im Deutschen bekannt als die Südliche Krone. Obwohl ihre Sterne nicht zu den hellsten gehören, formen sie am Firmament einen unverkennbaren, grazilen Bogen – ein himmlisches Schmuckstück, dessen Ursprung tief in den Legenden der griechischen Mythologie verwurzelt ist.

Die Astronomie: Ein filigraner Bogen im Kosmos

Die Südliche Krone ist eines der klassischen 48 Sternbilder, die bereits im 2. Jahrhundert u.Z. vom antiken Astronomen Claudius Ptolemäus beschrieben wurden. Sie bildet das südliche Gegenstück zur bekannteren Nördlichen Krone (Corona Borealis).

- Charakteristische Form: Das Sternbild zeichnet sich durch eine markante Sternenkette aus, die sich in einem sanften, nach Westen geöffneten Halbkreis oder Ellipsenbogen erstreckt. Von den alten Arabern wurde diese Formation treffend als al-fakkah („der Gebrochene“) bezeichnet, was auf einen unvollständigen Ring hindeutet.

- Wichtige Sterne: Der hellste Stern des Bildes ist Beta Coronae Australis, ein gelblicher Riesenstern mit einer Helligkeit von etwa 4,1 mag. Dicht gefolgt wird er von Alpha Coronae Australis, der historisch auch den Namen Alphekka Meridiana trägt.

- Deep-Sky-Objekte: Für Astronomen verbirgt sich in dieser Region ein faszinierendes kosmisches Labor. Corona Australis beheimatet eine der erdnächsten Sternentstehungsregionen, den sogenannten Coronet-Cluster, der in dichte Dunkelwolken und wunderschöne Reflexionsnebel (wie NGC 6726/6727/6729) eingehüllt ist.

- Sichtbarkeit: Da das Sternbild weit südlich liegt, ist es von Mitteleuropa aus nur unter optimalen Bedingungen im Hochsommer (Juli/August) ganz knapp über dem Südhorizont zu erspähen. Um es in seiner vollen Pracht zu bewundern, empfiehlt sich eine Reise nach Südeuropa oder in die südlichen Hemisphären.

Der Mythos: Krotos, die Musen und die Erfindung des Applauses

Die Platzierung der Südlichen Krone direkt zu Füßen des himmlischen Schützen ist kein astronomischer Zufall, sondern das Resultat einer berührenden Erzählung aus der griechischen Mythologie. Die Geschichte verbindet das Sternbild untrennbar mit Krotos (altgriechisch Κρότος), einer faszinierenden Gestalt aus dem Gefolge des Dionysos.

Der Sohn des Pan und Freund der Musen

Krotos war laut der antiken Überlieferung der Sohn des ziegenfüßigen Hirtengottes Pan und der Nymphe Eupheme, der Amme der Musen. Er wuchs auf dem Berg Helikon zusammen mit den neun Musen – den göttlichen Spenderinnen von Kunst, Musik und Wissenschaft >> – auf. Im Gegensatz zu den oft wilden und ungestümen Satyrn, besaß Krotos einen scharfen Geist, liebte die Kultur und die schönen Künste und verbrachte seine Zeit am liebsten als leidenschaftlicher Zuhörer der musischen Darbietungen.

Die Erfindung der Begeisterung

Als flinker Jäger zog Krotos oft durch die Wälder, doch seine wahre Berufung fand er in der Kunst. Die Sage berichtet, dass Krotos von den Gesängen und Tänzen seiner Ziehschwestern, den Musen, so tief bewegt und begeistert war, dass er instinktiv seine Hände zusammenschlug, um ein lautes Geräusch zu erzeugen. Damit erfand Krotos den Applaus. Diese neue, spontane Art, Bewunderung und Rhythmus auszudrücken, erfreute die Musen ungemein. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit und Liebe legten sie ihm einen wunderschönen Ehrenkranz zu Füßen.

Die Erhebung zu den Sternen

Nach dem Tod des Krotos baten die trauernden Musen den Göttervater Zeus, ihren treuen Bewunderer und Gefährten unsterblich zu machen. Zeus entsprach ihrem Wunsch und versetzte Krotos an den Himmel.

Die Südliche Krone im Schützen

Dort fand er seinen Platz im Schützen. Wegen seiner Schnelligkeit verlieh Zeus ihm die Flanken eines Pferdes (weshalb er oft mit Zentauren verwechselt wird), einen Bogen als Zeichen seines Scharfsinns und den Schwanz eines Satyrs. Und genau vor seinen Füßen – dort, wo die Musen ihn einst abgelegt hatten – platzierte Zeus jenen berühmten Ehrenkranz, der bis heute als das Sternbild Corona Australis (Südliche Krone) die ewige Verbindung zwischen Kunst, Begeisterung und den Sternen symbolisiert.

Zur Webseite mit vielen spannenden internen Links:

Krotos und das Sternbild Corona Australis (Südliche Krone) >> (Bildquelle: KI Gemini)
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21. Mai 2026 | ID: 17306 | Artikel löschen |

Holger Fischer

Holger Fischer
Compesmühlenweg 129
41065 Mönchengladbach
Deutschland

webmaster@info-allerlei.de
https://www.mythologie-antike.com

Antike mit dem Schwerpunkt griechische Mythologie, so lautet mein Hobby. Darüber recherchiere ich seit einigen Jahren und deshalb konnte ich mich auf diesem Gebiet zum Experten entwickeln. Viele fundierte Beiträge habe ich zu diesem umfangreichen und spannenden Themenfeld publiziert.




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