Kahnschnecken (Neritidae): Von mythologischen Wurzeln zu wissenschaftlichem Interesse

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Kahnschnecken (Neritidae): Von mythologischen Wurzeln zu wissenschaftlichem Interesse

Die Familie der Kahnschnecken (Neritidae)

Die Familie der Kahnschnecken (Neritidae), auch bekannt als Schwimmschnecken, vereint eine faszinierende Gruppe von Weichtieren, die sowohl im Meer als auch im Süßwasser vorkommt. Mit einem dickwandigen, bootsförmigen Gehäuse und einem kalkigen Operculum, das die Mündung verschließt, sind sie bestens an Leben in strömenden Gewässern angepasst. Die ältesten fossilen Nachweise reichen bis ins Karbon vor rund 375 Millionen Jahren zurück. Die Familie ist in zwei Unterfamilien unterteilt: Die meereslebenden Neritinae (z. B. Nerita) und die vorwiegend Süß- und Brackwasser bewohnenden Neritininae (z. B. Theodoxus, Vittina, Septaria). Besonders bemerkenswert ist, dass die Neritidae mindestens sechsmal vom Meer aus das Süßwasser besiedelt haben – ein evolutionärer Meilenstein.

Nerites

Die wissenschaftlichen Namen Neritidae, Nerita und Nerites gehen alle auf die griechische Mythologie zurück. Nerites >>, der Sohn der Doris und des Nereus >>, war eine untergeordnete Meeresgottheit und ein Liebhaber der Göttin Aphrodite. Als sie ihn in die olympischen Reihen holen wollte, weigerte er sich – eine Tat, die als Hybris galt. In ihrer Entrüstung nahm Aphrodite dem Nerites die ihm verliehenen Flügel und verwandelte ihn in eine Kahnschnecke. Die Flügel verlieh sie stattdessen Eros. Diese mythische Geschichte erklärt den Namen der Familie: Neritidae leitet sich direkt vom Namen Nerites ab. Die Schnecke wurde somit zur symbolischen Verkörperung des verstoßenen Liebhabers – ein poetischer Bezug, der bis heute in der wissenschaftlichen Terminologie erhalten blieb.

Heute

Heute sind Kahnschnecken nicht nur faszinierende Objekte der Evolution und Systematik, sondern auch beliebte Bewohner von Aquarien. Arten wie die Zebra-Rennschnecke (Vittina natalensis) oder die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) gelten als effektive Algenfresser. In Europa >> sind sie vor allem in Flüssen und Seen verbreitet, wobei Theodoxus fluviatilis auch im Brackwasser der Ostsee überleben kann. Ihre Bestimmung ist oft schwierig, da die Schalenfarben und -muster stark variieren. Entscheidend für die Artzuordnung sind daher Form und Struktur des Operculums, der Schalendeckels, sowie innere Merkmale wie die Apophyse (Rippe und Zapfen). Insgesamt werden weltweit bis zu 175 Arten vermutet, wobei die Forschung weiterhin auf Hochtouren läuft, um die Vielfalt vollständig zu erfassen.

Fazit

Die Kahnschnecken verbinden somit eine einzigartige Verbindung aus mythologischer Legende, evolutionärer Geschichte und ökologischer Bedeutung – ein lebendiges Beispiel dafür, wie Natur und Mythos miteinander verschmelzen.
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03. Februar 2026 | ID: 15822 | Artikel löschen |

Holger Fischer

Holger Fischer
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