Revolution in der Perinatalmedizin: Neue Stammzelltherapien für Frühgeborene und Frauen mit Kinderwunsch im Fokus internationaler Experten
Warschau, September 2026 – Die regenerative Medizin entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit von der experimentellen Forschung hin zur klinischen Anwendung. Auf dem Kongress der European Association of Perinatal Medicine (EAPM) in Warschau standen innovative Stammzelltherapien für Frühgeborene, neue Ansätze zur Behandlung weiblicher Fruchtbarkeitsstörungen sowie die wachsende Bedeutung von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums.
Experten aus Neonatologie, Gynäkologie und Zelltherapie stellten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die das Potenzial haben, die Behandlung schwerwiegender Erkrankungen grundlegend zu verändern. Besonders im Fokus standen mesenchymale Stromazellen (MSC) und deren extrazelluläre Vesikel (EVs) beziehungsweise Exosomen, die als nächste Generation regenerativer Therapien gelten.
Hoffnung für Frühgeborene mit Hirnschädigungen
Prof. Daniel Surbek vom Inselspital Bern präsentierte aktuelle Entwicklungen zur Prävention und Behandlung perinataler Hirnschäden bei Frühgeborenen. Solche Schädigungen gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für langfristige neurologische Beeinträchtigungen wie Zerebralparese und Entwicklungsstörungen.
Mesenchymale Stromazellen können Entzündungsprozesse reduzieren, die Regeneration von Nervengewebe fördern und körpereigene Reparaturmechanismen aktivieren. Besonderes Interesse gilt dabei zellfreien Therapien auf Basis von Exosomen, die viele Vorteile der Zelltherapie bieten könnten und gleichzeitig einfacher herzustellen und anzuwenden sind. Erste klinische Studien zeigen bereits vielversprechende Sicherheitsdaten. (Quelle 1-4)
Neue Perspektiven für Frauen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit
Ein weiteres Highlight des Symposiums war der Vortrag von Dr. Jakub Rzepka, der neue regenerative Ansätze bei vorzeitiger Eierstockinsuffizienz (Primary Ovarian Insufficiency, POI) vorstellte. Anstatt neue Eizellen zu erzeugen, konzentriert sich die Forschung zunehmend darauf, die natürliche Umgebung des Eierstocks zu regenerieren und damit dessen Funktion zu unterstützen. (Quelle 5-7)
Mesenchymale Stromazellen aus der Wharton'schen Sulze der Nabelschnur könnten hierbei eine wichtige Rolle spielen. Erste Studien deuten auf Verbesserungen der Eierstockfunktion, der Follikelentwicklung und der Schwangerschaftsraten hin. Gleichzeitig werden bereits erste klinische Programme entwickelt, die ausschließlich auf Exosomen und anderen von Stammzellen freigesetzten biologischen Wirkstoffen basieren. (Quelle 8)
Nabelschnurblut wird zur Ressource für moderne Zelltherapien
Die Bedeutung von Nabelschnurblut geht heute weit über die klassische Stammzelltransplantation hinaus. Tomasz Baran von der FamiCord Group beschrieb die Entwicklung hin zu einem „Cord Blood Banking 2.0“. Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe dienen zunehmend als Ausgangsmaterial für moderne Zell- und Immuntherapien, darunter MSC-Produkte, NK-Zellen, CAR-T-Zellen und Exosomen-basierte Therapien.
Für Gynäkologinnen und Gynäkologen gewinnt die Beratung werdender Eltern zur Einlagerung von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe daher zunehmend an Bedeutung. Die heute gewonnenen biologischen Ressourcen könnten künftig für eine Vielzahl regenerativer Behandlungen genutzt werden.
Regenerative Medizin erreicht die klinische Praxis
Das Symposium machte deutlich, dass Stammzelltherapien und zellfreie regenerative Verfahren auf Basis von Stammzellen in den kommenden Jahren zunehmend Einzug in die klinische Versorgung halten werden. Für die Fachgebiete Neonatologie, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, bisher nur begrenzt behandelbare Erkrankungen gezielt zu therapieren. (Quelle 9)
Fazit
Die auf dem EAPM-Kongress vorgestellten Daten zeigen eindrucksvoll, dass perinatale Gewebe wie Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe zu den wichtigsten Ressourcen der zukünftigen regenerativen Medizin gehören. Mesenchymale Stromazellen und ihre Exosomen entwickeln sich dabei zu einer zentralen therapeutischen Plattform für die Behandlung neurologischer Schäden bei Frühgeborenen, reproduktionsmedizinischer Erkrankungen und weiterer bisher schwer therapierbarer Krankheitsbilder.
Literatur:
1. Inder TE, Volpe JJ, Anderson PJ. Defining the Neurologic Consequences of Preterm Birth. New England Journal of Medicine. 2023;389(5):441-453. DOI: 10.1056/NEJMra2303347.
2. Thomi G, Joerger-Messerli M, Haesler V, et al. Intranasally Administered Exosomes from Umbilical Cord Stem Cells Have Preventive Neuroprotective Effects and Contribute to Functional Recovery after Perinatal Brain Injury. Cells. 2019;8(8):855. DOI: 10.3390/cells8080855.
3. Huang L, Zhang C, Gu J, et al. A Randomized, Placebo-Controlled Trial of Human Umbilical Cord Blood Mesenchymal Stem Cell Infusion for Children With Cerebral Palsy. Cell Transplantation. 2018;27(2):325-334. DOI: 10.1177/0963689717729379.
4. Finch-Edmondson M, Paton MCB, Webb A, et al. Cord Blood Treatment for Children With Cerebral Palsy: Individual Participant Data Meta-Analysis. Pediatrics. 2025;155(5):e2024068999. DOI: 10.1542/peds.2024-068999.
5. Seyihoglu B, Gucuk S, Can A. Cellular Therapies in Primary Ovarian Insufficiency and Poor Ovarian Reserve: A Systematic Review. Journal of Assisted Reproduction and Genetics. 2025. DOI: 10.1007/s10815-025-03599-y.
6. Hassan N, et al. Mesenchymal Stem Cells: A Therapeutic Approach in Fertility Restoration in Premature Ovarian Insufficiency. Stem Cell Reviews and Reports. 2025;21:2089-2102. DOI: 10.1007/s12015-025-10980-y.
7. Firouzabadi SR, et al. Mesenchymal Stem Cell-Derived Extracellular Vesicles Therapy for Primary Ovarian Insufficiency. Journal of Ovarian Research. 2024;17:200. DOI: 10.1186/s13048-024-01522-5.
8. Hwang S, Kim YE, Yang M, et al. Extracellular Vesicles from Mesenchymal Stromal Cells: An Emerging Therapy for Intractable Neonatal Disorders. Stem Cells Translational Medicine. 2025;14(10):szaf050. DOI: 10.1093/stcltm/szaf050.
9. Abbott A. Stem cells head to the clinic. Nature. 2025;637:18-20. DOI: 10.1038/d41586-024-04160-0.
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25. September 2026 | ID: 19059 | Artikel löschen |
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